Mad Max: Fury Road

Lange habe ich es im Hinterkopf gehabt. Irgendwann musste ich was dazu schreiben.  Selten hat mich ein Film beim ersten ansehen so „aufgewühlt“. Leider nicht mit nicht so positiven Gefühlen wie gefühlt ca 99,9% der Bevölkerung.

Dieser Text wird vermutlich auf viel Unverständnis stoßen und evtl die eine oder andere wütende Reaktion diverser Fanboys provozieren (sofern das überhaupt jemand liest ^^). Aber Geschmack ist nunmal etwas sehr subjektives. Eine Warnung vorweg: Hier wird gespoilert wie verrückt! Wer den Film also noch nicht kennt sollte hier aufhören zu lesen.

Ich hatte mich im Vorfeld zugegebenermaßen kaum mit dem Film beschäftigt. Nur so viel war mir bekannt dass George Miller der bereits für die aus den 80ern bekannte Mad Max Reihe verantwortlich war im Alter nochmal den Jungspunden zeigen wollte wie man einen Old-School Actionfilm dreht ganz ohne digitalen Schnickschnack. Desweiteren muss ich anmerken dass ich die Mad Max Filme durchaus mal gesehen und in angenehmer Erinnerung habe und außerdem Mel Gibson immer mochte. Aber ich bin kein beinharter Mad Max Fan der jeden Film einmal im Jahr gucken muss und jede Dialogzeile und jede Szene genau zitieren und beschreiben kann. Aber auf jeden Fall war ich dann doch gespannt auf den neuen Film.

Ich wusste allerdings nicht so genau wie sich dieser Film in die Filmreihe einfügen soll. Ob es sich hier um einen vierten Teil handelt oder um ein Reboot oder Remake. Ohne Nummerierung sind solche Titel ja meist Anzeichen für einen Reboot. Anscheinend ist es wohl quasi ein Remake von Mad Max II.

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Mad Max und sein Auto      (© Warner Bros.)

Nun denn, der Film fing ja auch schon recht verheißungsvoll an. Stimme aus dem Off, Max in Lederkluft und dem ikonischen V8 in einer öden Wüstenlandschaft, ganz wie man es von früher in Erinnerung hat. Erste kleine Enttäuschung: kein Mel Gibson. Aber gut, im Vorfeld hatte ich ja schon von diesem Tom Hardy als Hauptdarsteller gehört. Schade aber geben wir dem Knaben eine Chance.  Dann ging es aber auch schon ganz schnell Bergab, sowohl sprichwörtlich mit Max als auch mit dem Film. Jedenfalls bei mir.

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Immortan Joe und sein nettes Lächeln      (© Warner Bros.)

Kurzfassung: Max schrottet sein schönes Auto gleich am Anfang des Filmes und wird gefangen genommen. In der Festung dieses schrill aussehenden Immortan Joe  wird ihm ein Maulkorb verpasst und später wird er als lebende Blutkonserve und Kühlerfigur vor ein Auto geschnallt(!) und mit Vollgas durch die Wüste gejagt (Klar wer macht das nicht mit seiner Blutkonserve, immer schön vorsichtig damit…) weil man irgendwelche entflohenen Mädchen in einem Tankwagen voller Wasser jagt die eigentlich zu Joes persönlichem Harem gehören. Max kommt in dem unvermeidlichen Getümmel frei und stolpert durch die Wüste und trifft auf die Mädelstruppe die gerade nichts anderes zu tun haben als mit dem knappen kostbaren Nass mitten in der Wüste erstmal einen Wet-T-Shirt-Contest abzuhalten.

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Erst mal einen Wet T-Shirt Contest   (© Warner Bros.)

Der Rest der Handlung fasst sich in etwa zusammen mit: Fahrt durch  die Wüste ins gelobte Land, dabei das eine oder andere Hindernis überwinden und immer verfolgt von Immortan Joes Schergen. Am Ziel angekommen merkt man „Och war doch ne dumme Idee, wir fahren wieder zurück“ (Echt jetzt… -_-). Also das Gleiche wie davor in umgekehrter Richtung, pausenlos gejagt von Freaks in rostigen garantiert nicht Tüv-geprüften Benzinschleudern (Jaja Endzeit, alles kaputt, Benzin und Wasser sind knapp, Schon recht). Beinahe 2h lang überschlagen sich beinahe pausenlos Fahrzeuge, explodiert irgendwas, schießen und prügeln Gestalten aufeinander ein und sterben Menschen… Handwerklich zugegebenermaßen alles sehr ordentlich gemacht aber irgendwann einfach nur noch ermüdend. Schließlich ist das Spektakel dann endlich vorbei, der Böse tot und die Menschen haben freien Zugang zum Wasser und machen erstmal ein Freibad aus der Festung. Währenddessen macht sich Max, wortkarg wie im gesamten Film, heimlich aus dem Staub und überlässt den Ruhm der ebenso wortkargen Hauptdarstellerin  Charlize Theron aka Imperator Furiosa.

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So behandelt man seine Blutkonserve    (© Warner Bros.)

Ich bin jetzt nicht der anspruchsvolle Arthouse-Gucker. Ich mag Action-Filme und schaue mir da auch gerne mal stumpfen Unfug an ohne gleich Hirntumor zu bekommen. Hey ich bin in den 80ern groß geworden und kenne alle wesentlichen Actionfilme aus der Zeit. Und es ist ja ein Mad Max und sogar vom gleichen Regisseur wie damals. Ich habe bisher alle Marvel Filme gesehen, bekomme auch von Transformers keine Kopfschmerzen oder Brechanfälle und finde auch neutral betrachtet albernen Scheißdreck wie Pacific Rim oder Battleship recht cool. Wenn es um Action geht ist mir jedenfalls kaum was zu doof solange es visuell ansprechend gemacht ist. Um so überraschter war ich selbst über meine eigene Reaktion auf Mad Max: Fury Road.  Meine Reaktion nach dem Film war jedenfalls eine Mischung aus Erleichterung (Dass der unerträgliche Mist endlich vorbei ist), Ärger (Über die verschwendete Zeit) und Unglauben (WTF did i just watch!?). Am Ende habe ich den Film abgespeichert als einen Haufen gequirlte Sch… In meinem Ärger habe ich den Film zu einem Running Gag gemacht wo ich unter jede (Foren-) Rezension eines noch so miesen Filmes schreibe „Still better than Mad Max: Fury Road“. In meiner persönlichen Beliebtheitsskala kommt der Film gefährlich nahe an Star Wars Episode I ran ;).

Im Folgenden versuche ich meinen Ärger in Worte zu fassen. Einzelne Punkte treffen sicher auch auf die alten Filme zu aber am Ende ist es hier der komplette Mix der zählt.

 

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Sehr imposant (aber in Kürze auch im Po Sand) aber garantiert CGI   (© Warner Bros.)

Die Protagonisten – „Mad“ Max Rockatansky hat gefühlt ungefähr so viel Sprechrolle wie Arnold Schwarzenegger in „Terminator“. Zuerst wird das geliebte Auto geschrottet das dem Publikum gerade erst vorgestellt wurde. Dann ist er die erste knappe halbe Stunde  gefesselt und geknebelt. Als er dann endlich mal handlungsfähig ist übernimmt die eigentliche (ebenso wortkarge) Hauptprotagonistin den Film. Die mangelnden Dialoge waren sicher Absicht des Regisseurs aber für mich haben sie die Identifikation mit den Hauptdarstellern sehr erschwert. Ich hatte teilweise gar den Eindruck man wollte die Figur des Mad Max wie wir ihn kennen komplett demontieren.

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Chrom in die Fresse gibt ein strahlendes Lächeln   (© Warner Bros.)

Ansonsten ist alles eine total überdrehte Freakshow. Für mich teilweise derart überdreht dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte. Zum Beispiel die Vögel dies sich zum berauschen Chrom-Spray in die Fresse sprühen… alles klar  ugly  Die Hauptdarsteller bleiben in meinen Augen total blass. Tatsächlich gefiel mir der dieser Nux noch am besten. Macht er wenigstens eine Wandlung durch vom durchgeknallten Chrom-Junkie zu einem halbwegs normalen sogar sympatischen Burschen. Den mochte ich sogar. Dagegen können mir die platten Hauptdarsteller Furiosa und Max egaler nicht sein. Irgendwie nicht so toll für die Hauptdarsteller des Filmes oder?

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Ohne Chrom deutlich sympatischer   (© Warner Bros.)

Die Handlung – Welche Handlung? Eine beinahe 2h lange fast pausenlose Verfolgungsjagd die in ihrer Sinnlosigkeit und inhaltslosen Leere einfach nur ermüdet.

Das Setting – Das bekannte ikonische Apokalypse-Szenario. Die Welt ist im A*sch, die Zivilisation zusammengebrochen und marodierende Banden ziehen durch die nicht nur sprichwörtlich verwüstete Landschaft in der sämtliche Ressourcen wie Wasser und Benzin knapp sind. Für einen Kanister Benzin wird schonmal ohne mit der Wimper zu zucken gemordet. Trotzdem hat man wohl nichts besseres zu tun als ständig sinnlos mit nicht gerade spritsparend aussehenden Stahlmonstern kreuz und quer durch die Wüste zu rauschen um sich gegenseitig umzubringen.

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Sicher umweltfreundlich, spritsparend und arm an Feinstaub  (© Warner Bros.)

Die Action – An sich sehr cool gemacht, Schöne Handarbeit. Alles echte Stunts und wenig CGI. Obwohl ich das zumindest im Sandsturm nicht glaube, da dürfte doch ordentlich Tricktechnik am Werk sein. Aber nach dem halben Film hatte ich ehrlich genug und es war einfach nur noch ermüdend in seiner ganzen Stumpfsinnigkeit auch wenn die Stunts zum Teil sehr originell waren. Wie sie sich zum Beispiel mit biegsamen Stangen in voller Fahrt auf den Tanklaster draufpendeln. Trotzdem nutzt sich das alles irgendwann ab und alles ist irgendwie nur noch sinnloser Krawall. Für mich trägt die ganze Action alleine den Film einfach nicht und ermüdet mich wie gesagt sogar nur auf Dauer.

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Stabhochsprung mal anders   (© Warner Bros.)

 

Vermutlich habe ich den Film wohl einfach nicht verstanden und ich bin einfach zu dumm dieses geniale Meisterwerk zu verstehen. Oder es ist dieser bekannte Effekt „Millionen Fliegen können nicht irren…“ wer weiß…

Ich zitiere mal Zeit-Online, die haben die gleiche Kritik nur mit schöneren Worten verpackt: „…Es gibt kaum Dialoge, und wenn gesprochen wird, versteht man aufgrund des Getöses im Hintergrund nur die Hälfte. Fast die gesamte Handlung besteht aus einer einzigen, langen Verfolgungsjagd…

…Im Grunde erzählt George Millers Film einen klassischen Western, ohne sich jedoch die Zeit zu nehmen, die Figuren zu entwickeln. An deren Stelle stehen in Mad Max: Fury Road wild kostümierte Statisten, so dass es egal ist, ob nun Tom Hardy oder ein anderer breitschultriger Darsteller den Staffelstab von Mel Gibson übernimmt. Und der feministische Furor, mit dem der Film kokettiert, bleibt wenig mehr als ein behaupteter Kontrapunkt zum Lärm der Oberfläche.“

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Könnte auch eine Szene aus „Brütal Legend“ sein  (© Warner Bros.)

Am Ende dann vielleicht doch noch was Positives. Der ganze Stil des Filmes hat schon was. Das Design der Fahrzeuge und der Charaktere ist schon toll und zum Teil sehr originell. Vor allem der E-Gitarrentyp auf dem Lautsprecherwagen war sehr cool. Die alberne Idee könnte direkt aus dem Spiel Brütal Legend stammen das ich (trotz schwächen im Gameplay) sehr mag.

Bei aller Reduzierung aufs Wesentliche hat Miller hier in meinen Augen zufällig eine Sache sogar richtig gemacht. Die unvermeidliche Romanze zwischen Max und Furiosa findet garnicht statt. Fand ich tatsächlich sehr angenehm dass dieses Klischee hier diesmal nicht bedient wurde.

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Brütal Legend

 

Ein paar Links am Ende zu wohlformulierten Kritiken die meine Meinung zum Teil ziemlich gut treffen.

Wikipedia-Artikel zum Film

Zeit-Online Kritik

Nicht ganz so tolle Kritik in der TAZ

Noch eine unbegeisterte Kritik

Der Kollege im Youtube-Video formuliert es für mich sehr treffend (Außer dass er das Original Mad Max nicht kennt…Schande über ihn!):

Eine mal nicht ganz so begeisterte Youtube-Kritik 

Und noch die geballte Ladung sämtlichen Blödsinns im Film (gutes Englisch nötig, der Typ quatscht schnell!):

Everything wrong with Mad Max: Fury Road

 

 

 

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