The Man in the High Castle

Bin gerade über einen Artikel über eine neue Amazon-Fernsehserie namens The Man in the High Castle gestolpert. Die Idee dahinter ist ja schon originell:

Die Nazis und Japan haben den Krieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt.

Da ich zur Zeit am Computer Wolfenstein: The New Order spiele (Ich empfehle die internationale Version, ist „authentischer“) das ein sehr ähnliches abgefahrenes Szenario hat, interessiert mich die Serie jetzt doch.

Hinzu kommt die umstrittene Werbekampagne zu der Serie in den USA. Da wird schonmal die U-Bahn mit dem Reichsadler geschmückt, die Freiheitsstatue macht den Hitlergruß und das Lincoln Memorial ziert Hitlers Konterfei.

Natürlich mit den entsprechenden Reaktionen. Das Ganze löst doch einiges Befremden aus. Selbstverständlich kalkuliert. Und es funktioniert. Die Presse berichtet über die kleinen Skandale und macht damit quasi kostenlose Werbung. Und allenthalben findet eine Diskussion statt „Darf man das ?“ (Das Thema hatte ich doch neulich schon). Ich finde das herrlich. Ich mag so provokante Sachen die sich trauen anzuecken. Ich kann mir nicht helfen aber bei jedem Bild das ich gesehen habe wurde mein Grinsen breiter (Wie mich auch die Anspielungen im Wolfenstein Spiel regelmäßig  amüsieren).

Diese Serie spielt in einer alternativen Weltgeschichte der 60er Jahre in der die Nazis und Japan den zweiten Weltkrieg gewonnen haben und die USA unter sich aufgeteilt haben. Natürlich gibt es Spannungen und Intrigen um die Nachfolge Hitlers und um das angespannte Verhältnis mit Japan. Widerstandskämpfer dürfen hier natürlich nicht fehlen.

Der Clou ist hier die alles überlagernde bedrückende Atmosphäre in einem von einem totalitär regierendem Regime beherrschten Amerika das freie westliche Werte wie wir sie kennen mit Füßen tritt. Das Ganze in Verbindung mit gewaltigen verstörenden Bildern mit allgegenwärtigen Nazisymbole wie bekannte Uniformen und Hakenkreuze mitten in Amerika wie man es aus historischen Bildern eher vom Deutschen Reich damals kennt.

Als Mysteriöser Plot taucht in der Serie eine Filmrolle auf, in der Filmschnipsel mit Nachrichtenmeldungen enthalten sind, die von einer Welt berichten, in der die Alliierten den Krieg gewonnen haben. Das gibt der Serie so eine Art „Akte X“ Touch. Ist die Welt wirklich wie sie scheint? Und tatsächlich hat Ridley Scott auch mit Frank Spotnitz den Autor von Akte X verpflichtet.

„The Man In The High Castle“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des 1982 verstorbenen Schriftstellers Philip K. Dick, von dem unter Anderem auch die Buchvorlagen zu den Sci-Fi-Klassikern „Blade Runner“ und „Total Recall“ stammen.

Ausführender Produzent ist übrigens Ridley Scott  der ja auch Blade Runner verfilmt hat.

Mehr Einzelheiten kann man z.B. bei Wikipedia nachlesen.

Deutscher Trailer

Rezensionen:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/the-man-in-the-high-castle-auf-amazon-prime-es-regiert-das-boese-a-1063437.html

„Es ist ein teutonisiertes Amerika, das einem hier begegnet: Schon in Jeanette Olssons Titelsong, einem raunenden, sinistren Cover des Fünfzigerjahre-Musicals „Edelweiss“, dringen deutsche Vokabeln in die freie Welt, die hier eben genau das nicht ist. Auch die Statthalter der Nazis in Übersee heißen „Obergruppenführer“, tragen Nazi-Binden und halten am Frühstückstisch Erbauungsreden, die ihren Söhnen den Individualismus austreiben sollen und die Herrlichkeit des übergeordneten Ziels preisen, das Einreihen in die Volksgemeinschaft. In den Kinos laufen aufs US-Publikum zugeschnittene Propagandafilme.“

„Der eigentliche Clou von „The Man in the High Castle“ ist der Verfremdungs- und Entfremdungseffekt, der sich mit der fiktiven Überlagerung der Epochen einstellt. Die verstörende Wirkung des Design-Mash-ups ist nachhaltig, weil die amerikanischen Sechzigerjahre, die im kulturellen Gedächtnis für die Geburt der Popkultur und für Hollywood stehen, durch die alles durchdringende Nazi-Symbolik heftig kontaminiert werden.

Die Führer-Visage auf den Dollarscheinen wirkt wie ein dreckiger Witz aus der Hexenkammer der Es-hätte-alles-anders-ausgehen-können-Paranoiker. Und ja, in einer Zeit der abermaligen Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Welt durch den Terror der falschen Ideen darf „The Man in the High Castle“ eine besondere Aktualität beanspruchen.“

 

http://www.zeit.de/kultur/film/2015-11/the-man-in-the-high-castle-serie-amazon

Nochmal zur Atmosphäre des Filmes: „Viele Serien richten sich an die amerikanische Urangst vor Eindringlingen. Schleichen sich bei Homeland noch vereinzelt Terroristen ins Land, bevölkern bei The Man in the High Castle gleich Millionen folternde Nazis unbehelligt das Land der Freien. Und Amerika schaut hilflos zu. An einer Stelle wundert sich Joe über Asche in der Luft. „Dienstags verbrennen sie Krüppel im Krankenhaus“, antwortet ein Ortskundiger beiläufig.“

Das Interessante an diesem Artikel sind allerdings die Hintergründe über die Serie.

 

Hier nochmal besprochen die Unterschiede zwischen Buchvorlage und Serie. http://diezukunft.de/review/film/was-waere-wenn

 

Die Vorlage selbst, das Buch: https://guidobillstein.com/2015/12/19/falsche-wahrheiten-und-echte-faelschungen-philip-k-dicks-roman-das-orakel-vom-berge-weit-mehr-als-eine-beliebige-historische-spekulation-ein-science-fiction-book-review/

Achtung Spoilergefahr ab dem letzten Absschnitt „Ein offenes Ende….„. Den sollte man vielleicht auslassen wenn man nicht zu viel wissen möchte und kann direkt zum Fazit springen.

(Letztes Update März 2017)

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Ein Kommentar zu “The Man in the High Castle”

  1. Habe auch schon einiges darüber gelesen und bis sehr gespannt. Zum Buch von Philip K. Dick bestehen wohl einige Unterschiede, aber was soll’s – ist ja immer so, die meisten Dick-Verfilmungen (auch „Minority Report“) borgen sich ja eher nur Motive, und schaffen es dann mehr oder weniger gelkungen, die paranoide Atmosphäre seiner Erzählungen nachzubilden. Neben dem „Parallel History“-Setting finde ich hier die bei Dick meist entscheidende Frage, was eigentlich real ist – welche der Welten tatsächlich existiert, oder ob alle, usw. – besonders spannend.

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