Wie scheucht man einen Computerfreak vor die Tür?

Der klassische Computerfreak hockt den ganzen Tag am PC und geht nur vor die Tür wenn es absolut notwendig ist. z.B. Um Essen zu kaufen und um arbeiten / zur Schule zu gehen . Wie kriegt man so jemanden dazu mal vor die Tür zu gehen und einfach so spazieren zu gehen?

Eine Möglichkeit heißt INGRESS.Zum Ingress spielen braucht man ein Smartphone.  Und gute Schuhe. Oder ein Fahrrad. Wetterfeste Kleidung ist auch nicht verkehrt. „Wie jetzt, ich denke das spielt man auf dem Smartphone?“ wirst du dir vermutlich gerade denken. Nun, Ingress ist ein sogenanntes „Augmented Reality“ Spiel, das heißt die echte Welt und die virtuelle Welt vermischen sich. Hier muss man sich nämlich zu echten physisch vorhandenen Orten begeben um mit dem Smartphone und aktiviertem GPS an bestimmten Stellen vorhandene „Portale“ zu hacken, die wiederum nur auf dem Smartphone zu sehen sind. Das Ganze spielt sich auf einer Art modifiziertem Google Maps ab. Wer schon von Geocaching gehört hat, das ist so ähnlich. Nur hier ist es ohne suchen. Ingress ist quasi eine Mischung aus Geocaching und Sience Fiction. Wie beim Geocaching wird man dazu ermuntert besonders interessante Stellen aufzusuchen. Nur beim Geocaching in der Regel nur einmal und bei Ingress zwangsläufig öfter.

Der clevere Schachzug der Erfinder war es, zwei Fraktionen einzubauen die sich gegenseitig „bekämpfen“ indem sie sich gegenseitig die Portale abjagen. So hat man immer was zu tun. Jede Fraktion versucht nämlich die Gegend in ihrer Farbe einzufärben. Grün für die „Erleuchteten“ (Enlightened) und blau für den „Widerstand“ (Resistance).

choose

Der eigentliche Gag an der Sache ist dass man Punkte sammelt und in Rängen aufsteigt. Je höher der Rang desto mächtigere Gegenstände kann man benutzen. Dadurch ist erstmal ein Anreiz gegeben sich „hochzuleveln“. Ein richtiges Ende gibt es hier nicht. Hier verliert und gewinnt niemand auf Dauer. Mit viel Schweiß aufgebaute Felder sind unter Umständen in den nächsten Stunden oder gar Minuten wieder zerstört und erstrahlen in der Farbe der Gegenfraktion.

Ja es gibt auch eine Story mit irgendwelcher außerirdischer Energie sogenanntes „exotic matter“ (XM) die von der Erleuchteten Fraktion zum Wohle der Menschheit benutzt werden will. Der Widerstand ist allerdings dagegen weil sie negative Folgen befürchtet. Soweit so uninteressant. Wichtig ist nur dass man sich am Anfang (unwiderruflich) für eine Seite entscheidet die man unterstützen möchte. Die Grünen werden auch im Volksmund als „Frösche“ bezeichnet und die Blauen als „Schlümpfe“.

Frösche

Dann geht man auf Achse, zückt an den bald bekannten Stellen sein Smartphone und „hackt“ Portale. Das Wort suggeriert allerdings Komplexität wo keine ist. Außer einen Knopf „hack“ zu drücken ist da nichts weiter zu tun. Als Belohnung für den Hack gibt es dann unter Anderem „Resonatoren“ (Eine Art Anker für Portale) und „XMP-Burster“ (zum zerstören gegnerischer Resonatoren) .  Blaue Portale versucht man mit diesen „XMP Burstern“ zu zerstören um sie dann mit eigenen „Resos“ zu bestücken damit es die eigene Farbe annimmt. Mehrere Portale wiederum können verbunden werden was dann im Dreieck ein „Feld“ ergibt. All das wiederum gibt Punkte mit denen man im Rang aufsteigt. Wenn das eigene Viertel dann in der eigenen Farbe erstrahlt verschafft einem schon eine gewisse Befriedigung.  Es wird allerdings meist nicht lange dauern dann kommt jemand von der Gegenfraktion vorbei und macht das Gleiche. Gerne auch in Gruppen, und hier kommt der gesellschaftliche Aspekt ins Spiel. Für größere Aktionen trifft man sich auch schonmal um gemeinsam dem Gegner eins auszuwischen und sein Viertel im Handstreich „einzunehmen“.

schlümpfe

Und lustigerweise funktioniert das System sogar. Ich käme normalerweise nie auf die Idee abends nochmal einfach so ziellos spazieren zu gehen. Jetzt kommt es tatsächlich vor dass ich mir nochmal die Jacke überwerfe mit den Worten „ich gehe nochmal ne Runde“ um in die Innenstadt zu tappen und ne Runde zu hacken und Portale und Felder zu erstellen. Wenn man ein Ziel vor Augen hat geht das plötzlich, dann macht Laufen plötzlich Spaß. Und wenn es nur für sowas eigentlich Albernes wie virtuelle Portale ist.

Ingress-screenshot

Ein zwei Nachteile hat das Ganze allerdings dann doch. Das Ding frisst Akku und Traffic zum Frühstück! Eine Ingress Tour dauert mit meinem HTC Sensation etwa eine Stunde dann schreit der Akku SOS. Viele haben sich deshalb extra einen externen Akku Pack zugelegt. Eine gute Flatrate sollte man auch haben denn die übertragene Datenmenge ist erheblich!  Auch sollte man kein Problem damit haben Google Dienste zu benutzen aber das sollte man bei Android ja generell nicht. Den Google+ Account benötigt man um sich überhaupt bei Ingress anmelden zu können. Die Tatsache dass man dann dort ja quasi freiwillig sein Bewegungsprofil an Google sendet (solange man Ingress benutzt) könnte evtl auch einige Leute abschrecken.

Ich wäre übrigens dafür Waze mit Ingress zu verheiraten. Gehört sowieso beides zu Google und hat mit GPS-Ortung zu tun.

Links:

http://www.ingress.com/ Hauptseite

http://www.ingress.com/intel Karte (Nur nach Registrierung bei Ingress)

http://de.wikipedia.org/wiki/Ingress_(Spiel) Wikipedia Artikel

Weitere Artikel über Ingress:

http://www.dw.de/mit-ingress-unterwegs-in-zwei-welten/a-17222433

http://blog.klarmobil.de/2012/11/ingress-google-workout-fuer-nerds/

http://sprachkonstrukt.de/2013/07/31/ingress/

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-ingress-die-ganze-welt-als-spiel-a-902267.html

http://grenzlandnachrichten.de/home/article/spielt-sich-google-zur-weltherrschaft.html

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